
Diese Freude (die Reaktion auf meine Besuche), die mir von den Patienten entgegengebracht wird ist es, die mir alle Energie gibt. Ich bin in Wahrheit der Beschenkte, tausende glückliche Augenpaare, die mir antworten, sich bedanken, die mir erzählen von ihren faszinierenden Schicksalen. Eine überströmende Liebe entspringt jenen Augen, ein Licht, das alles erhellt, das Probleme und Schmerzen "augenblicklich" vertreibt und vergessen lässt.
Die Humorforschung will beweisen, wie positiv das Lachen auf unsere Gesundheit wirkt. Die biochemischen Reaktionen des Körpers sind vielfältig. Es sind zu viele, um sie hier aufzuzählen. Sie reichen von der Anregung des Kreislaufs und Stärkung des Immunsystens bis hin zur Produktion von sogenannten "Killerzellen", die Krebszellen abbauen. Auch die "Psycho-Neuroimmunologie" - die Ganzheitsmedizin - erforscht die Bedeutung und die Auswirkung von positiven und negativen Gedanken auf die Gesundheit. N.D.Walsh beschrieb es so: "Ihr seid doch alle mentale Leprakranke, euer Geist wird von negativen Gedanken zerfressen. Manche davon werden euch mehr oder weniger aufgezwungen. Viele davon erfindet - beschwört - ihr selbst und hätschelt und pflegt sie dann Stunden, Tage, Wochen, Monate, ja sogar Jahre ...
... und fragt euch, warum ihr krank seid!"
Selbst konventionell denkende Mediziner erkennen nunmehr, wie Menschen sich selbst krank machen. Die meisten Leute tun dies weitgehend unbewusst. (Sie wissen nicht einmal, was sie tun.) Sie wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, wenn sie krank werden. Sie haben das Gefühl, daß sie von etwas befallen wurden, und nicht, daß sie sich selbst etwas angetan haben.
Der Grund dafür ist, daß die meisten Menschen - nicht nur hinsichtlich der Gesundheitsprobleme und deren Konsequenzen - unbewusst durchs Leben gehen.
Die Leute rauchen und wundern sich, wenn sie Krebs bekommen. Sie verspeisen Tiere und Fett und wundern sich, wenn ihre Arterien verkalken. Sie verbringen ihr ganzes Leben in einem Zustand der Wut und des Zorns und sind dann überrascht, wenn sie einen Herzinfarkt bekommen.
Sie konkurrieren - erbarmungslos und unter unglaublichem Streß - mit anderen Menschen und können es nicht fassen, wenn sie ein Schlaganfall niederstreckt. Die weniger augenfällige Wahrheit ist die, dass sich die meisten Menschen "zu Tode sorgen". Das Sich-Sorgen ist so ungefähr die schlimmste Form menschlicher Aktivität, die es gibt - neben dem Hass, dem eine zutiefst selbstzerstörerische Kraft innewohnt.
Sich-Sorgen und Beunruhigen sind sinnlos, vergeudete mentale Energie. Zudem erzeugen beide Verhaltensweisen biochemische Reaktionen, die den Körper schädigen und zu allem Möglichen führen: angefangen bei Verdauungsbeschwerden und anderen Symptomen bis hin zum Herzstillstand. Die Gesundheit verbessert sich fast sofort, wenn das Sich-Sorgen ein Ende hat.
Angst ist das Gegenteil von allem, was-wir-sind, und übt eine unserer mentalen und physischen Gesundheit entgegenstehende Wirkung aus. Angst ist ein verstärktes Sich-Sorgen. Sorge, Hass, Angst - im Verein mit ihren Randerscheinungen Ängstlichkeit, Bitterkeit, Ungeduld, Habsucht, Unfreundlichkeit, Neigung zu negativer Kritik und Verurteilung - attackieren allesamt den Körper auf zellularer Ebene. Umgekehrt sind positive Gedanken, Worte und Handlungen die Lösung für manche unserer Gesundheitsprobleme. Mit einem Ehrenamt - einem Dienen aus und mit Freude - können wir einige dieser bereits angeeigneten (von uns selbst zugelegten) Krankheitszustände heilen sowie zudem verhindern, daß sich größere neue Probleme entwickeln.
Die Wissenschaft hat also endlich bestätigt, was Künstler, Mystiker, Poeten und Narren immer schon wussten: dass heilsame chemische und psysiologische Prozesse angeregt werden durch Liebe, Mitgefühl, Humor, Anteilnahme, Zärtlichkeit, Vertrauen, Berührung, Kreativität und Beistand.
Also warum noch länger warten? Stecken Sie sich diese Werkzeuge in die Tasche! Machen Sie sich auf und wagen sie einfach einmal den Versuch! Besuchen sie einen Kollegen, Verwandten im Krankenhaus, Seniorenheim oder im Hospiz. Es kann gar nicht schiefgehen, alle Beteiligten werden sich wohlfühlen.
Menschen, die enge gemeinschaftliche Bindungen pflegen, überstehen Krankheiten besser und erholen sich schneller.
Das Schenken von Liebe und Freude ist auch bei Sterbenskranken die Lösung und die Antwort auf viele sich ergebende Fragen. Dabeisein, wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist ein unvergessliches Erlebnis. Dem Sterbenden wird der Trost zu Teil, dessen er bedarf, und wir können Abschied von ihm nehmen. Wenn Sie am Sterbebett stehen, dürfen Sie sich auf gar keinen Fall verhalten, als wären die Betreffenden schon nicht mehr anwesend. Bleiben Sie ganz Sie selbst, solange die Sterbenskranken noch leben - und kehren Sie Ihre besten Seiten hervor, Ihr liebendes, freundliches, lebhaftes und heiteres Selbst. Was mag einer empfinden, der sein Leben beschließt, wenn er nur noch von trübsinnigen, verängstigten Menschen umgeben ist? Lassen Sie die Sterbenden selbst entscheiden, was gut für sie ist!
Die 22-jährige
Krebspatientin Cecilia Suazo, die ich zwei Wochen lang bis zu
ihrem Tod mit Spiel und Spaß am Krankenbett begleitete,
animierte mich täglich, auch für ihre Verwandten Musik
zu machen. Mit dem Akkordeon, Luftballons und viel guter Stimmung
fingen Tanten und Onkel an neben dem Krankenbett zu tanzen, und
die Krankenschwestern machten Fotos. Flötenmusik zur Nachtzeit
beruhigte die verzweifelten Eltern und inspirierte zu Gebeten.
Cecila entschlief nach einem kurzen Todeskampf mit einem strahlenden
Lächeln im Gesicht. Ihre Eltern baten mich bei der Beerdigung
lustige Akkordeonmusik zu spielen, es wurde für alle eine
besondere Erfahrung - innere Freude.
(Dieser Artikel
ist im "Jahr des Ehrenamtes" in der Bundeszeitschrift
"Hospiz" erschienen.)